2017 - Boystown

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2017

Chronik
Nachfolgend der Jahresbericht 2017. Er ist an alle Förderer unseres Heimes in Mananthavady versandt worden. Interessenten können ihn auch hier herunterladen.
 
Dr. Michael Dörr               41466 Neuss, 12.01.2018
im Auftrag der Pfarrgemeinde
St. Elisabeth und Hubertus, Neuss  
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde unserer Boystown-Initiative,
 
herzlich willkommen zum turnusmäßigen Bericht über unsere Unterstützung des indischen Waisenheimes Boystown.
 
Auch wenn Weihnachten bereits vorüber ist, lohnt es sich noch einmal einen Blick auf das Titelbild unseres Pfarrbriefes zu werfen. Die dort abgedruckte wunderschöne Zeichnung stammt von Jinson, einem in Boystown betreuten Heimbewohner.  
 
Bischof Dr. Jose Porunnedom, Pfarrer Dr. Dr. Siby Varghese Cheruthottil haben uns schriftlich und telefonisch ein frohes Weihnachtsfest gewünscht. Beide  Geistlichen übermitteln ferner die besten Grüße und Wünsche für ein gnadenvolles  neues Jahr 2018!
 
Pfarrer Sibys Besuch
 
Seit mehr als vier Jahrzehnten unterstützt die St. Elisabeth und Hubertus-Gemeinde bekanntermaßen ein Waisenheim in Indien namens Boystown. In der Geschichte dieser langjährigen deutsch-indischen Freundschaft galt es nun, ein besonderes Ereignis zu feiern. Pfarrer Dr. Siby Varghese Cheruthottil besuchte unsere Gemeinde, zelebrierte die Abendmesse und informierte beim anschließenden Empfang noch alle interessierten Pfarrangehörige über die neueste Entwicklung des Heimes.
 
Frankfurt,  Düsseldorf, Kleve waren die Stationen, über die der seit zwei Jahren im Amt befindliche Leiter des im südindischen Kerala angesiedelten Heimes Boystown zur St. Hubertus-Kirche nach Neuss fand. Projektkoordinator  Dr. Michael Dörr holte den Geistlichen am Samstag, 18.03.2017, am Düsseldorfer Hauptbahnhof ab. Nach einer Stärkung bei Kaffee und Kuchen gewann man schnell Sympathien für einander. Der 42 Jahre alte promovierte Pfarrer Siby – so die Kurzform des komplizierteren indischen Namens - erzählte auf sehr anschauliche Art und Weise und in perfektem Deutsch
in welcher Situation sich das indische Waisenheim momentan befindet.
 
Pfarrer Siby hat eine Weile in Italien gelebt, beherrscht daher auch die italienische Sprache. Er studierte in Rom Philosophie und verfasste dort auch seine Doktorarbeit. Immer wieder hat er sich aber in Deutschland aufgehalten und hier zudem das deutsche Sprachexamen in bester Auszeichnung absolviert.
 
Der Geistliche ist vor rund 2 Jahren offiziell zum neuen Leiter des Waisenheimes Boystown ernannt worden. Letzteres existiert seit mehr als 40 Jahren und wird seitdem im Rahmen einer langjährigen Verbundenheit zwischen den dortigen Verantwortlichen und der Pfarre St. Elisabeth und Hubertus gefördert. Die Einrichtung befindet sich in der Provinz Wayned, dem Grüngürtel der Diözese Mananthavady. Im Bistum leben 150.000 Menschen. Es gibt dort kaum Konversionen von Muslimen zu Christen. Eine normale christliche Familie hat zwei Kinder, muslimische Familien wesentlich mehr.
 
Bei einer Kapazität von 25 Plätzen befanden sich zu Beginn des letzten Jahres 15 Jungen bis zum 12. Schuljahr bzw. bis zum 17. Lebensjahr im Heim. Sie alle stammten aus schwierigen Familienverhältnissen, waren Halb- oder Vollwaise, besaßen aber keinen kriminellen Hintergrund. Alle christlichen Heime in Kerala haben inzwischen von der Aufnahme straffälliger Jugendliche Abstand genommen.
 
Mit der 10. Klasse absolvieren die Jugendlichen im Alter von 15 Jahren ihren allgemeinen Schulabschluss. Danach besteht die Möglichkeit, über zwei Jahre eine weiterführende Schule zu besuchen. Dies praktizierten sieben Kinder, 3 Hindu und 4 Christen. Zwei galten als ausgesprochen intelligent.
 
Die Schüler im Heim sind technikaffin, lernen aber auch, sich hauswirtschaftlich oder landwirtschaftlich zu betätigen. Im Vordergrund stehen allerdings immer die soziale und psychologische Unterstützung und die exzellente intensive Betreuung durch Schwestern, Erzieher und Geistliche.
Leider gibt es immer wieder Schüler, die die Schule und auch den Heimaufenthalt abbrechen. Zum Glück ist dies jedoch selten der Fall. Viele Kinder werden Handwerker, manche bleiben allerdings auch ohne Einkünfte. Letztere verlassen Boystown durch die dort erlangte Stabilität immerhin nicht völlig chancenlos.
 
Der ein oder andere ehemalige Schüler nimmt heutzutage sogar eine hoch dotierte berufliche Tätigkeit z.B. als Manager in einer Bank wahr. Ein Junge wurde Koch, nachdem er über ein Jahr einen  Kochkurs absolviert hatte. Außerdem besucht ein ehemaliger Schüler inzwischen ein Priesterseminar. Insgesamt versucht man, den Jungen über Gespräche und entsprechende Tätigkeiten eine Stabilität zu verleihen, um sie lebenstüchtig zu entlassen. Mehr als 400 Jugendliche sind somit in den letzten Jahren über den Verbleib in Boystown wieder an ein normales Leben herangeführt worden. Die Kinder haben um Weihnachten und Ostern herum je 10 Tage frei. Im Sommer sind sie über zwei Monate in Ferien.
Der Kontakt zu ehemaligen Schülern ist leider nur rudimentär. Bislang hat sich auch kein Ehemaliger zur Mitarbeit in Boystown eingefunden. Gleichwohl ist ein erstes Ehemaligentreffen geplant.
 
Pfarrer Siby brachte Bastel- und Malarbeiten der Jungen mit, welche diese für Personen in der Gemeinde gefertigt hatten. Auch aktuelle Fotografien und einige indischen Süßigkeiten hatte er im Gepäck.
 
Der Boystown gewidmete Gottesdienst wurde dann zu einem großartigen Ereignis. Zum einen begleitete der Kirchenchor unter Leitung von Frau Simone Betz die Festmesse. Zum andern zelebrierte Pfarrvikar Zbigniew Cieslak zusammen mit Pfarrer Siby und Herrn Diakon Georg Kohnen den sehr gut besuchten Gottesdienst. Pfarrer Siby legte bei seiner Predigt, die er auf das aktuelle Evangelium bezog, Wert darauf, der Gemeinde für die großzügigen Spenden in der Vergangenheit zu danken, bat aber auch, wenn irgendwie möglich, das Heim in ideeller und materieller Hinsicht weiter zu unterstützen. Diesem Anliegen trug u. a. die Gottesdienst-Kollekte Rechnung, welche einen Betrag in Höhe von 73,55 € zugunsten von Boystown ergab.
 
Beim anschließenden Empfang begrüßte Pfarrer Siby zunächst noch einmal jeden einzelnen Gast persönlich und berichtete dann über die aktuelle Entwicklung in Indien und Kerala. Gerade der Süden Indien erlebe einen Modernisierungsschub, es gebe dort inzwischen wesentlich bessere Straßen, der Verkehr sei strukturierter und die Technik habe im großen Stil Einzug gehalten. Indien werde nun modern und digital. Nicht zuletzt durch die höheren Verdienste seien auch die allgemeinen Lebensverhältnisse besser geworden, Zudem befänden sich viele junge Erwachsene zurzeit im Ausland und unterstützten von dort ihre heimischen Familien.
 
Das Heim selbst sei von der Bausubstanz her in die Jahre gekommen, es müsse an vielen Stellen repariert und saniert werden (s. o. a. Fotos). Vor allem eine größere Dachreparatur erfordere erhebliche finanzielle Mittel. Pfarrer Siby sucht immer wieder die Familien der Kinder auf und konnte diese bislang dazu bewegen, insgesamt 4000 € für die Sanierung beizusteuern. So verbleibt dennoch ein Defizit von 25.000 bis 30.000 Euro. Diesen Betrag müsse das Heim selbst aufbringen, da der Staat keine Zuschüsse mehr zahlt.
 
Hintergrund ist die politische Entwicklung im Land in den letzten Jahren. Boystown wurde zunächst untersagt, weiterhin Mädchen aufzunehmen und zu betreuen. Hierzu wäre ein weiteres Gebäude erforderlich gewesen, das man nicht errichten konnte. Die Mädchen werden nun in zwei anderen Heimen betreut. Eines dieser Heime sieht vor, dass die dortigen älteren Mädchen die Kleinkinder mitversorgen.
 
Des Weiteren ließ die Regierung auch den Schulunterricht in einem eigens an Boystown angegliederten Gebäude nicht mehr zu. Dementsprechend fahren die Jungen nun wochentags morgens mit einem Bus in die nächstgelegene Schule und kehren abends – ohne Einnahme eines regulären Mittagessens - zurück. Zum Transport wird auch ein Jeep in Anspruch genommen werden, den die St. Elisabeth und Hubertus-Gemeinde vor einigen Jahren bereits finanziert hat.
 
Um die Jungen nach christlichen Prinzipien zu erziehen, musste das Versiegen jeglicher staatlicher Förderung in Kauf genommen werden. Auch war man gezwungen, den Status des Heimes zu ändern. Fortan firmiert Boystown somit nun offiziell als Jugendherberge.
 
Der Höhepunkt des Abends bestand dann in der Übergabe eines Schecks über Zuwendungen treuer Einzelspender und Erlöse aus Veranstaltungen der Kirchengemeinde St. Elisabeth und Hubertus sowie des Theaterensembles Kabäuske in Höhe von 24.000 Euro, welchen Pfarrer Siby mit großer Dankbarkeit und Freude entgegennahm. Hiermit ist nun vor allem die Dachreparatur so gut wie gesichert.
 
Weitere Sanierungsvorhaben müssen dem künftigen Spendenaufkommen überlassen bleiben. Die Anwesenden wünschten dem freundlichen Geistlichen eine gute, gesunde Rückkehr nach Indien, woraufhin dieser sich zur Übernachtung in das benachbarte Kloster Kreitz begab – dort beherbergte man ihn dankenswerterweise - und am nächsten Tage nach Cloppenburg und von da aus nach Rom weiterreiste.
 
Die Kosten für die am Abend gereichten Samosas, indische Teigtaschen, und die Getränke wurden vom Kirchenvorstand übernommen. Hierfür herzlichen Dank!  
 
In der Gemeinde ist man sich weiter einig: Nach diesem sehr informativen und freundlichen Besuch aus Indien wird man Boystown weiter unterstützen und sich gerne wieder von Pfarrer Siby schildern lassen, welche Fortschritte bei der Betreuung der Kinder und Jugendlichen mit deutscher Unterstützung erfolgt sind.
Abschließend noch etwas für die Naturfreunde unter den Boystown-Interessierten: Es gibt durchaus wilde Tiere in der Umgebung des Heimes. Besonders problematisch seien die Elefanten, die nunmehr über einen Elektrozaun vom Gebäude ferngehalten werden müssen. Sie sind in der Lage mit ihrem Rüssel Strauch und Zweigwerk abzuknicken und so Gatter, Tore und Zäune zu beschädigen. Es gibt in der Region zwar auch Tiger, diese seien aber in der Umgebung des Heimes noch nicht gesichtet worden.
 
Etat
 
Unsere Spendeneinnahmen in 2017 betrugen stolze 7.447,79 €, hiervon resultierten 40 € aus Messstipendien, 73,55 € aus der o. a. Kollekte. Der Boystown überlassene Spendenerlös aus dem Pfarrfest belief sich auf 1100 €. Vielen Dank!
 
Demgegenüber waren über 200 € an Kontoführungsgebühren zu entrichten. Dankenswerterweise erließ die Sparkasse uns 50 % des Betrages, so dass die Unkosten nur noch 103,12 € betrugen. Möglicherweise lassen sich letztere künftig sogar wieder einsparen.  
 
Da der Pater Siby überlassene Scheck die Reise nach Indien nicht schadlos überstand, waren zusätzliche 36 € für die nachträgliche Überweisung des Betrages aufzubringen.
 
Ihnen allen ein herzliches „Vergelt’s Gott“ für Ihre finanzielle Unterstützung, nicht nur aus meiner Feder sondern auch im Namen der in Boystown lebenden Kinder und der dortigen Verantwortlichen!
 
Ausblick
 
Inzwischen ist die Dachreparatur abgeschlossen. Eine entsprechende fotografische Dokumentation wurde mir zugesichert. Nunmehr wird eine Sanierung des in die Jahre gekommenen Gebäudes angestrebt, die womöglich eine passagere Schließung des Heimes erforderlich machen wird.
 
Am 1. September 2017 wurde in Indien eine Gesetzesänderung verfügt, die die Aufnahme und Betreuung von Waisenkindern in konfessionellen Heimen weiter erschwert. So sind momentan auch nur 9 Jungen in Boystown untergebracht. Diese Situation stellt die Wirtschaftlichkeit der Einrichtung auf eine harte Probe. Dennoch betrachten die Verantwortlichen im Bistum diese Sachlage als Herausforderung und gehen von einer positiven Entwicklung aus. Pfarrer Siby wird mit großer Wahrscheinlichkeit unsere Gemeinde wieder im September besuchen und dann aus erster Hand berichten.
 
So darf ich heute mit den besten Wünschen für ein gesundes, glückliches, kurzum formidables Neues Jahr verbleiben.
  
Herzlichst
Ihr Michael Dörr
 
Boystown-Konto der Katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth und Hubertus:
IBAN :  DE44 3055 0000 0000 2313 73
BIC :  WELA DE DN
 
 


 
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