2015 - Boystown

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2015

Chronik

Namasté,

sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Förderer unseres Boystown-Projektes,
 
nun endlich erreicht Sie auch der turnusmäßige Jahresbrief zu unserem Projekt Boystown. Durch den monatelangen Flüchtlingszustrom war ich beruflich stark eingebunden und konnte mich Sonderaktivitäten nur bedingt widmen. So bitte ich die Verzögerung in diesem Jahr zu entschuldigen.
 
Unsere zugereisten ausländischen Mitbürger beschäftigten mich jedoch nicht nur als Amtsarzt. Auf Bitte von Herrn Pfarrer Michael Tewes durfte ich einen Beitrag für das am 1. November im Bachem – Verlag erscheinende Buch „Viae Crucis“ verfassen, der meine Wahrnehmung der Flüchtlingssituation im Zusammenhang mit dem in St. Hubertus befindlichen Kreuzweg wiedergibt. Bei Interesse bitte diese Webseite aufrufen.   
 
Nun aber in medias res, denn nicht nur die hiesigen Flüchtlinge, sondern viele andere Menschen außerhalb von Deutschland benötigen unsere Hilfe – wie auch die Kinder in dem auch von uns unterstützten  Waisenheim Boystown.  
 
40 Jahre Boystown
Indien-Kenner Volker Hollender war bereits 18 Mal in Indien
 
Im letzten Jahr stand der Vortrag von Herrn Volker Hollender anlässlich des 40-jährigen Bestehens unserer Partnerschaft zum Waisenheim Boystown im Vordergrund.
 
So fanden sich rund 25 Indien-Interessierte am Sonntagnachmittag, 19. Juli 2015, im Versammlungsraum der Hubertuspfarre ein, um das Jubiläum der Partnerschaft zwischen der Gemeinde  St. Hubertus und dem indischen Waisenheim Boystown feierlich zu begehen. Der Unterzeichner, der das Projekt seit nunmehr 17 Jahren begleitet, begrüßte alle Anwesenden und verlieh seiner Freude Ausdruck, dass die Unterstützung des Waisenheims durch die St. Elisabeth und Hubertus–Pfarre ungebrochen ist. In diesem Zusammenhang erinnerte er zunächst an den erst kürzlich verstorbenen Diakon Alois Gehrmann, der die Initiative im Jahr 1975 auf den Weg brachte. Mehr als 20 Jahre kümmerte sich dann Herr Franz Bellenberg um die deutsch-indische Partnerschaft. Auch Herr Bellenberg befand sich mit seiner Gattin im Auditorium.
 
Ferner war Frau Astrid Juchem zugegen, der bei dieser Gelegenheit ganz herzlich zur bestandenen Prüfung zur Gemeindereferentin gratuliert werden konnte. Viel Glück und Erfolg weiterhin!
 
Dann erläuterte ich zunächst die aktuelle Situation des Heimes: Danach sind zurzeit 22 Kinder dort untergebracht. Eines der Kinder, namens Sahrat Joseph, hat schulische Bestleistungen zu verzeichnen.
 
Wie der Leiter des Heimes Fr. Bijo Thomas Karukappallyaktuell mitteilte, mussten neben sieben Regenmänteln auch Schirme, Lebensmittel, Bücher, Taschen, Kleidung und viele andere Dinge besorgt werden. Ein großes Problem stellten auch Wildtiere dar, die die bestellten Äcker und Felder sowie Gärten zerstörten. Diesbezüglich musste ein elektrischer Zaun eingezogen werden, der nun die Anzucht von Obst und Gemüse ermöglicht. Es können somit jetzt Tapioka, Pfirsiche, Erbsen und Bananen angebaut werden. Drei Schwestern und zwei Priester unterstützen die Kinder sowie die Organisation im Heim. Leider seien auch einige Kinder während der Monsunzeit krank geworden und müssten sich nun erholen.
 
Bei Mangosaft und Samosas - das sind zu Dreiecken zusammengelegte Teigtaschen aus einem Weizenmehl-Wassergemisch, welche mit Gemüse, Curry-Reis und Kartoffeln, Hackfleisch oder Fisch gefüllt werden - erzählte anschließend der Indien-Kenner Herr Volker Hollender von seinen Reisen in dieses bevölkerungsreichste Land der Erde. Erst vor kurzem unternahm er die 18. Reise auf den indischen Kontinent, 14 dienten dem Besuch von Freunden, bei vier Aufenthalten stand der touristische Aspekt im Vordergrund.
 
Kerala als südlicher Bundesstaat Indiens ist so groß wie Nordrhein-Westfalen, hat aber doppelt soviel Einwohner. Hauptstadt ist Thiruvananthapuram. Es gibt dort 75 % Landbevölkerung, ein Sachverhalt der in Deutschland unvorstellbar ist. Die Landschaft stellt eine Mischung aus Alpen und Schwarzwald mit vielen Teeplantagen dar. Man ißt dort scharf gewürzte Speisen, wobei Joghurt zu einem milden Geschmack beiträgt. Die Inder haben früher von Bananenblättern gegessen, wobei die Speisen mit der rechten Hand dem Mund zugeführt wurden, jetzt aber werden Teller genutzt. Ein erfrischendes Getränk ist vor allem die Kokosmilch. In der Diözese Mananthavady gibt es viele Glaubensgemeinschaften bzw. Kongregationen. Während in Deutschland die Austritte aus der katholischen und evangelischen Kirche zunehmen, müssen in Indien neue Bistümer gegründet werden, um dem Zustrom der Katholiken gerecht zu werden.
 
Ein großes Gesundheits-Problem sind die aidskranken Menschen. Herrn Hollender wurde berichtet, dass erst kürzlich ein Mann seine Familie infiziert hat.
 
Flussläufe sind in Indien extrem wichtig, sie dienen zum Fischen, Waschen der Nahrung, Reinigung des eigenen Körpers und der Wäsche. Letztere wird hierbei auf einem Stein trockengeschlagen.
 
In Indien weiß man auch zu feiern. Bei Pfarrfesten werden bunte Fahnen und Schirme getragen, außerdem Heiligenfiguren präsentiert. Drei Stunden dauert allein eine Nachtprozession. Die Feiern, die untrennbar mit Musik und Tanz verbunden sind, ziehen sich über Tage hin. Der feierliche Gottesdienst geht in einer Kirche ohne Bänke vonstatten, da die Vielzahl der Gläubigen sonst nicht im Innenraum untergebracht werden könnte. Die Religionen in Kerala existieren durchaus friedlich nebeneinander. Nicht ungewöhnlich ist beispielsweise daher auch die enge bauliche Anordnung einer Moschee und einer Kirche nebeneinander.
 
Inderinnen müssen auch schwere Arbeit verrichten, zum Beispiel Steine transportieren. Fischen ist dagegen Männerarbeit.
 
Die Wenigsten wissen, dass der Tsunami im Jahr 2004 auch Kerala und zwar insbesondere den Südwesten des Landes nicht verschont hat. Eingestürzte Gebäude, zerstörte Brücken und Verwüstungen der Natur zeugen heute noch davon. Insgesamt starben damals 230 000 Menschen.
 
Herr Hollender berichtete anschließend noch von seinen unterschiedlichen touristischen Unternehmungen, so war er mit seiner Familie auch noch in Agra und besuchte dort natürlich das Weltkulturerbe, den Kronenpalast bzw. das Taj Mahal.
Nach rund einer Stunde ging ein hochspannender und informativer Vortrag zu Ende, der durch die anschauliche Erzählkunst des Referenten den Anwesenden noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ich dankte Herrn Hollender zum Schluss noch einmal für seine interessanten Ausführungen mit einer kleinen Präsentzusammenstellung von Tee und Gewürzen aus Indien.
 
Einhelliger Tenor der Veranstaltung: Kerala ist in vielerlei Hinsicht ein Paradies.
 
Bericht auf dem Portal des Katholikenrates
 
Auf das 40-jährige Jubiläum wurde auch Thomas Kaumanns aufmerksam. Herr Kaumanns ist Vorstandsmitglied des  Katholikenrates im Rhein-Kreis Neuss und erbat einige Informationen zum Projekt, um diese den eigenen Mitgliedern und weiteren interessierten Christen zugänglich zu machen. So veröffentlichte der Katholikenrat am 13. August 2015 einen Kurzbericht zu Boystown, hier nachzulesen. In diesem Zusammenhang an dieser Stelle auch einmal ein herzliches Dankeschön an Herrn Thilo Zimmermann,  der die Sektion Neuss der Kirchenzeitung journalistisch betreut und hierbei Boystown  nie aus den Augen verliert. Von seiner PR-Arbeit profitiert unserer Initiative seit vielen Jahren.
 
Resonanz aus Indien
 
Mitte letzten Jahres schrieb uns der damalige Leiter des Heimes Bruder Bijo Thomas Karukappally:
 
„Lieber Herr Dörr,
 
ich hoffe es geht Ihnen gut. Wir verbringen nun ein neues Schuljahr, in welchem wir  Herrn Diakon Gehrmann und Herrn Hüsgen (langjähriger Förderer des Projektes) vermissen. Wir beten dafür, dass ihre Seelen in Frieden ruhen. Wir als Personal und auch die Schüler aus Boystown werden an beide zu Beginn des neuen Schuljahres erinnern.
Wir haben 22 kleine und ältere Kinder hier vor Ort. Unsere Kinder zeigen sehr gute Leistungen vor allem im letzten Schuljahr. Ein Kind, Sahrat Joseph, war ein Leistungsträger in seiner Schule. Es war wirklich bewundernswert.
 
Aber auch all die andern haben ihr Examen geschafft. In diesem Jahr gibt es sechs Kinder in der achten, sieben in der neunten und sechs in der zehnten Klasse
 
Da all unsere Kinder wachsen, mussten wir sieben neue Regenmäntel für sie besorgen.
 
Im letzten Jahr haben wir 1.369.859 Rupien (18.300 €) für die Kinder ausgegeben. Hierbei sind keine Materialien wie Lebensmittel, Bücher, Stifte, Regenschirme, Taschen oder Kleidung enthalten.
 
In diesem Jahr hoffen wir, dass wir wenigstens 1.500.000  Rupien (20.040 €) für die Kinder ausgeben können, da sie älter werden und die täglichen Ausgaben steigen. Wir werden außerdem mit dem Problem konfrontiert, das wilde Tiere unseren Anbau zerstören, so dass wir nicht auf unseren Feldern kultivieren können …. (siehe oben)…
 
Wir alle beten für Sie, weil Sie sich um unsere Kinder bemühen, damit sie gute und nützliche Bürger werden. Jeden Tag eröffnet sich das Geheimnis des Rosenkranz für Sie alle.
 
Nehmen [auch] Sie uns in Ihre Gebete auf.
 
Mit freundlichen Grüßen
Bijo Thomas Karukappally
Direktor Boystown“
 
Im Herbst 2015 übernahm Bruder Siby Varghese Cheruthottil die Leitung der Einrichtung. Er hatte sein Auslandsstudium abgeschlossen und war nun wieder nach Indien zurückgekehrt. Fr. Siby hielt sich im Dezember letzten Jahres sogar in Deutschland auf und hatte sehr kurzfristig aus Menden im Sauerland angerufen, um  unsere Gemeinde einen Tag später zu besuchen. Dieser Besuch kam leider nicht zustande, da ich selbst ohne Unterbrechung Flüchtlinge untersuchen musste und mich leider ad hoc nicht der Organisation seiner Visite widmen konnte.
Der neue Heimleiter meldete sich daraufhin erneut – wieder zurück in Indien:
 
„Lieber Herr Dörr,
 
die Kinder und das Personal von Boystown wünschen Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückliches neues Jahr, ebenso den Pfarrmitgliedern und ihren Familien.
Uns geht es allen gut. Die Kinder haben ihr zweites Examen beendet. Nun ist Ferienzeit. Die neue Schulzeit beginnt am 28. Dezember. Drei der Kinder, Simon, Umesh und Jomit konnten am Examen nicht teilnehmen, weil sie an Windpocken litten. Es ist hier sehr heiß und gelegentlich regnet es.
Ich lerne die neuen Verantwortlichkeiten als Heimleiter kennen. Außerdem unterrichte ich noch zweimal in der Woche in der Nähe in einem Seminar. Ich bin nach acht Jahren wieder in Indien.
Wie geht es Ihnen? Ist das Problem der Eingliederung von Flüchtlingen gelöst? Ich freue mich von Ihnen mehr zu hören.
Ich nehme diese Gelegenheit auch wahr, um mich für die großzügige Unterstützung des Boystown-Heimes zu bedanken. Ich bete dafür, dass das das Jesuskind Sie und Ihre Familien in einer besonderen Weise über das ganze Jahr 2016 segne.
Vielen Dank!
 
Fr. Siby Varghese Cheruthottil
Direktor Boystown”
 
Am 2.1.2016 schrieb Bischof Jose:
 
„Lieber Herr Dr. Dörr!
 
Vielen Dank für Ihre Mail. Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes und gnadenvolles neuen Jahr. Geben Sie bitte meine Grüße auch an alle Mitarbeiter und Mitschwestern des Arbeitskreises weiter. Fr. Siby Cheruthottil hatte mir gesagt, dass er Sie nicht antreffen konnte, als er in Deutschland war. Er versteht die Situation sehr gut. Die Nachrichten über die Flüchtlingswelle nach Europa wurden regelmäßig in unseren Zeitungen berichtetet. Da Sie Arzt sind, werden Sie sicherlich viel zu viel zu tun gehabt haben. Hoffentlich ist die Situation jetzt unter Kontrolle. Ich habe bereits Fr. Siby gebeten, sofort den Bericht für das Jahr 2015 und der Budget für das Jahr 2016 Ihnen zukommen zu lassen. Er hat mir versprochen, beides in dieser Woche zu übersenden. Bei dieser Gelegenheit danke ich Ihnen von ganzem Herzen für die hervorragende Arbeit, die Sie für Boys Town tun. Ich sage den Kindern immer, dass sie in der Lage sind, in die Schule zu gehen und in Boys Town zu leben, weil viele gute Leute in Deutschland für sie arbeiten. Die Kinder beten für Sie täglich. Sie sind wirklich dankbar für Ihre Spende und Unterstützung. Wie ich schon erwähnte, während ich Sie im Jahr 2014  besuchte, wird mein nächster Besuch in Deutschland 2017 sein. Ich werde Sie über meine Pläne informieren, sobald ich die endgültigen Pläne haben werde. Mit guten Wünschen und verbunden im Gebet,
 
Ihr
Bischof Jose Porunnedom“
Etat
 
Das Spendenaufkommen in 2015 betrug 10.502,18 €, was einer deutlichen Steigerung gegenüber den vorherigen  Einnahmen von 7.512,06 € bedeutet. Uns wurde freundlicherweise aus dem Erlös des Pfarrfestes 1.600,00 € zuteil. Die Einzelzuwendungen beliefen sich auf   8.902,18 €. Letztere beinhalteten auch zwei sehr großzügige Zuwendungen im vierstelligen Bereich und diverse Spenden anlässlich eines Trauerfalles. Momentan sind 19.000 € angespart und warten auf eine  Verwendung durch die Verantwortlichen des Heimes. Diese Summe entspricht etwa einer Jahresförderung. Zur Erinnerung: Zuletzt überließen wir dem Bischof im Jahr 2014 einen entsprechenden Betrag.   
 
Dadurch, dass die Kontoführungsgebühren in 2015 dankenswerterweise wieder von der Sparkasse Neuss übernommen wurden und der Kirchenvorstand die Vortragsveranstaltung mit Herrn Hollender mit 85,40 € „sponserte“ (ebenfalls danke!), waren wie gewohnt keinerlei sonstigen Ausgaben zu verzeichnen.
 
Aktuell gibt es allerdings leider einen Wermutstropfen, denn die Sparkasse sieht sich angesichts der Zinssituation seit Mitte des Jahres nicht mehr in der Lage, die kirchlichen Konten weiterhin gebührenfrei zu führen. So werden in diesem Jahr leider erstmalig kontinuierliche Zusatzkosten anfallen, von denen die Kinder nicht direkt profitieren. Immerhin stellt  das Geldinstitut nicht die volle Gebühr in Rechnung sondern gewährt uns dankenswerterweise einen Nachlass von 50%.
 
Ihnen allen ein herzliches „Vergelt’s Gott“ für Ihre finanzielle Unterstützung, nicht nur aus meiner Feder sondern auch im Namen der in Boystown lebenden Kinder und der dortigen Verantwortlichen!
 
Ausblick
 
Die Anteilnahme und Unterstützung bezüglich unseres Projektes sind ungebrochen. Nach wie vor erkundigen sich immer wieder interessierte Pfarrangehörige nach dem aktuellen Stand, was anspornt und unsere Hilfe nicht versiegen lassen sollte.
 
Ich habe aktuell noch einmal um einen Sachstandsbericht und eine finanzielle Bestandsaufnahme gebeten, weil beides noch nicht eingetroffen ist. Daraufhin hat   Bischof Porunnedom zugesichert, entsprechende Informationen bald vorzulegen.
 
Der Besuch des Bischofs ist weiterhin für das nächste Jahr avisiert. Über den Termin werde ich Sie rechtzeitig informieren.
 
Die beiden abgebildeten Zeichnungen sind den in Boystown untergebrachten Kindern zu verdanken. Sie entstammen einem Paket von Malarbeiten, das uns zugesandt wurde. Alle Boystown-Förderer erhalten Anfang nächsten Jahres zumindest ein Originalexemplar als kleines Dankeschön.     
 
Es grüßt Bischof Dr. Jose Porunnedom Sie alle ganz herzlich. In seiner letzten Mail wünscht der hohe kirchliche Würdenträger Ihnen allen – auch ganz in meinem Sinne -  erneut „viel Gottes Segen und alles Gute“.
 
Herzlichst
Ihr Michael Dörr
 
 
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