2003 - Boystown

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2003

Chronik
 
„Wenn das Lied die Engel beruhigt, wenn der Stern im Himmel verschwunden ist, wenn der König und die Prinzen nach Hause sind, wenn die Hirten wieder bei den Herden sind, beginnt das heilige Werk: Die Verlorenen zu finden, die Gebrochenen zu heilen, die Hungrigen zu füttern, die Gefangenen zu befreien, die Nationen neu aufzurichten, den Brüdern Frieden zu bringen, Musik mit dem Herzen zu machen.“ Aus dem Weihnachtsgruß 2002 von Bischof Emmanuel Pothanamuzhy.
 
              
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
 
liebe Freunde von St. Hubertus-Boystown,
 
 
zum Jahreswechsel übersende ich Ihnen auch im Namen von Herrn Bischof Emmanuel und Pastor Joseph herzliche Grüße. Hinsichtlich der Boystown-Aktivitäten unserer Pfarre blicken wir auf eine ereignisreiche Zeit zurück:
 
 
So fand am Montag, 4.2.2002, im Pastor-Trimborn-Haus ein Gedankenaustausch aller Freunde unserer Boystown-Initiative statt, in dessen Mittelpunkt hochinteressante Ausführungen der Vorsitzenden der heimischen Indien-Nothilfe Frau Karin Demuth und Herrn Walter Lück standen. Beide verstanden schnell, die Zuhörer mit lebendigen Schilderungen ihrer Reiseerfahrungen aus Indien zu fesseln. Dabei nahm ein erster Aufenthalt im Bundesstaat Kerala im Jahr 1995 für Herrn Lück einen höchst unerfreulichen Verlauf. Ein Fieberschub wurde zunächst als Malaria fehlgedeutet und entpuppte sich letztlich als Vorbote einer schweren Lungenentzündung, die sich therapeutisch als kaum beeinflussbar erwies. Was für viele eine Neuorientierung der Reiseaktivitäten bedeutet hätte, war jedoch für Herrn Lück und Frau Demuth Ansporn, das Land, seine Bewohner und deren Lebensumstände noch besser kennen zu lernen. Bis heute halten sich beide regelmäßig und gelegentlich sogar über Monate in Indien auf und unterstützen hierbei über den eingetragenen Verein der Indien-Nothilfe vielfältige Hilfsprojekte, die vor allem benachteiligten Bevölkerungsgruppen zugute kommen. So erfolgt beispielsweise eine Förderung der Schulausbildung in Dörfern und der Anschüttung von Steinwällen am Rande von Feldern zur Regulierung der Wasserversorgung. Medizinischen Belangen wurde durch Einrichtung von Tuberkulose-Stationen und Lepra-Kolonien Rechnung getragen, wobei       letzteren zusätzlich Webstühle zur Verfügung gestellt wurden, deren Nutzung den Betroffenen sogar ein geringfügiges Einkommen ermöglicht. In Rajasthan wurde zum 50. Jahr der Unabhängigkeit ein menschenwürdiges Schul- und Ausbildungsheim für 380 an     Kinderlähmung erkrankte oder an Unfallfolgen leidende Kinder und Jugendliche errichtet. Diesem Projekt konnten mit Unterstützung des Sternstunden e.V. über 100.000 € zugeführt werden.
 
Ein indischer Videofilm verdeutlichte die Situation dieser Kinder, von denen sich viele infolge der Lähmungen oder Amputationen der Beine nur mit den Armen fortbewegen können. Beeindruckend war vor allem die hohe Disziplin der dort untergebrachten behinderten Kinder. Weitere Projekte betreffen die Förderung von Blindenschulen, Ermöglichung medizinischer Eingriffe wie Augenoperationen, Einrichtung von Medical Camps in Dörfern oder Unterstützung von Waisenheimen. In Zentralindien stellen sich die Lebensverhältnisse infolge von Dürre und Monsunphasen, mangelnder Energie- und Wasserversorgung und unzureichender Infrastruktur problematisch dar. Auch hier hat sich außerdem die Abholzung großer Waldareale in ökologischer Hinsicht negativ ausgewirkt. Der Bundesstaat Kerala, in dem sich auch unser Waisenheim Boystown - St. Hubertus befindet, gehört dagegen immerhin zu den klimatisch günstigeren Regionen Indiens. Besucher aus Europa müssen sich jedoch auf eine ungewohnte hohe Luftfeuchtigkeit einstellen. Indien-Interessierte, die das Land aufsuchen möchten, empfehlen Frau Demuth und Herr Lück vor allem eine adäquate reisemedizinische Vorsorge z. B. in Form von Impfungen, eine Beherzigung des richtigen Reisezeitpunktes, wobei aufgrund der belastenden klimatischen Situation die Monate Dezember bis Februar genutzt werden sollten, die Inanspruchnahme von preiswerten Hin- und Rückflügen (cirka 600.- bis 750.- €) und die Nutzung konventioneller guter Hotels (Standardpreis etwa 25 € pro Doppelzimmer) sowie einen moderaten Verzehr der recht scharf gewürzten Speisen und den Verzicht auf den Genuß von Leitungswasser. Mancher Tourist neige dazu, sich angesichts der vielen Sehenswürdigkeiten, der fremden Kultur und Religion und der Weite des Landes zuviel vorzunehmen. Hiervor warnte jedoch Frau Demuth ausdrücklich.
 
Beeindruckend sei in jedem Falle die tiefe Gläubigkeit der Einheimischen.
 
Gegen 22.00 Uhr ging schließlich ein gelungener und informativer Abend zu Ende. Der Unterzeichner dankte den beiden sympathischen Referenten unter dem Applaus der           anwesenden Zuhörer für die spannende und informative Berichterstattung.
 
 
"Auch ich bin an kirchlicher Entwicklungshilfe interessiert und komme aus Jüchen zu Ihnen hier in den Kirchengarten um Ihr Projekt kennen zu lernen." Eine Dame mittleren Alters spricht mich freundlich an und es folgt ein reger Austausch zur Betreuung von Projekten in Lateinamerika, Afrika und Asien durch Pfarren aus dem Kreis Neuss und der benachbarten Stadt Mönchengladbach. Es war beileibe nicht das einzige Gespräch am Sonntag, den 9.6., im Kirchengarten der Landesgartenschau nahe Schloß Dyck, das Herr Bellenberg und ich als Vertreter unserer Boystown-Initiative mit Besuchern unseres Standes führten. Rund 500 Menschen folgten unserer Einladung und bestaunten in einem als Kirchengarten bezeichneten Areal den dortigen, von einer Mauer umgebenen Andachtsraum, wandelten auf  einem steinigen Weg oder bestaunten den Quell des Lebens, eine modern gestaltetete, in einen Steinblock eingelassenen Wasserquelle. Ein Herr war spontan bereit, uns einige Bücher über Indien  abzukaufen. Dies hätte jedoch der Leiterin der Katholischen Öffentlichen Bücherei unserer Pfarre, die uns die Werke nur als Leihgabe überlassen hatte, sicher nicht gefallen. Erfreulicherweise fanden sich im Lauf des Tages auch einige Mitglieder unserer Pfarre am Stand ein. An über zwanzig Schautafeln und durch Einsichtnahme in Fotomappen konnten sie und andere sich über das Projekt unserer Pfarre ausführlich informieren. Zahlreiche Eintragungen in das erstmalig ausgelegte Gästebuch dokumentieren auch nachträglich die rege Anteilnahme an unserem Entwicklungshilfe-Projekt. Letztlich gingen darüber hinaus noch 44,25 € an spontanen Geldspenden ein. Gegen 17.00 Uhr schloß unsere Präsentation mit einer kleinen Andacht.
 
Wir konnten hierzu im gartenarchitektonisch gelungenen Meditationsbereich 22 Gäste         begrüßen. Gegen 18.00 schloss der Kirchengarten seine Pforten und ein sonniger Tag mit interessierten, freundlichen Menschen und der Gewissheit, viele Besucher auf die Situation in Indien aufmerksam gemacht zu haben, ging zu Ende.
 
Im Rahmen seines Deutschland - Aufenthaltes stattete Bischof  Emmanuel Pothanamuzhy unserer Pfarre auch in diesem Jahr einen Besuch ab. So traf er in Begleitung von Pfarrer Franzis, Wesel, und Pastor Joseph, Kleve, am Donnerstag, den 11.7. um 9.30 im Pastor-Trimborn-Haus  ein. Bald stießen auch einige treue Freunde unseres Projektes hinzu und begrüßten den hohen Würdenträger. In herzlicher Atmosphäre berichtete der Bischof zunächst, dass im Heim derzeit 52 Kinder bei unveränderter Betreungssituation leben. Man habe sich aktuell Gedanken über den langen und beschwerlichen Schulweg machen müssen, den die Kinder jeden Tag zurücklegen müßten und sei zu dem Entschluß gekommen, zwei Klassen vorübergehend im Heim einzurichten, um den Kindern  fortan den langen Weg zur Schule zu ersparen. Langfristig möchte man ein kleines Gebäude errichten, in dem dann Kinder aus Boystown und der Umgebung unterrichtet werden könnten. Hierzu seien jedoch finanzielle Mittel notwendig. Auf die Frage, ob man bei entsprechender Förderung durch unsere Pfarre einen Einfluss auf die Namensgebung hätte (St. Hubertus-Schule), äußerten sich die indischen Geistlichen jedoch eher skeptisch: der heilige Hubertus sei in Indien so gut wie gar nicht bekannt. Stattdessen wurde vorgeschlagen, eine Statue oder Skulptur des St. Hubertus im Eingangsbereich aufzustellen. Im weiteren Verlauf des Treffens kam auch der Konflikt zwischen Pakistan und Indien zur Sprache. Nach Auffassung des Bischofs sei die bestehende nukleare Bedrohung zu relativieren. Erneut sprach Bischof Emmanuel die herzliche Einladung an alle Gemeindeangehörigen aus, unser Boystown-Heim zu besuchen. Abschließend erhielt Bischof Emmanuel eine Spende unserer Pfarre in Höhe von 7.500.- €. Im Vorfeld des Besuches hatte der Direktor des Waisenheims Herr Kunnath einen erneuten finanziellen Bedarf für die Betreuung der Kinder übermittelt. Bischof Emmanuel führte in seiner Dankesrede aus, dass er sich sehr über die Spende freue und allen Pfarrangehörigen seinen großen Dank und Gottes Segen ausspreche. Bischof Emmanuel kam direkt aus Wuppertal und wurde gegen 11.30 Uhr von einem Bekannten zu einem heimischen Mittagessen abgeholt. Von dort reiste er am nächsten Tag nach Frankfurt weiter. Ein informativer Vormittag mit einem regen Gedankenaustausch in freundlicher Atmosphäre ging zu Ende.
 
 
Selbstverständlich war unsere Initiative auch auf dem Patrozinium/Pfarrjubiläum unserer Gemeinde am 3.11. zugegen. Erneut gab es viele interessante Kontakte, von denen auch zahlreiche Eintragungen im neuen Gästebuch zeugen.
 
 
Nun zur finanziellen Situation im Jahr 2002:       
 
 
Einnahmen :                                                                         
 
Einzelspenden             4.167,44        
Sonstige Einnahmen       365,39           
 
Zinsen                           190,53
 
                                4.723,36  €
 
  
 
Ausgaben :
 
Zahlungen nach Indien  7.500,00                                
 
Ausgaben (Scheckgebühr etc.) 32,39        
 
                                 7.532,39  €                                                                                      
 
Im Vergleich zu den vorherigen Jahren ist erfreulicherweise ein deutlicher Zuwachs an Einzelspenden – u.a. auch durch neue Spender - feststellbar. Dieser fällt umso mehr ins Gewicht, da ja in 2002 durch Ausfall des Pfarrfestes unserer Initiative keine Einnahmen aus diesem Bereich zuflossen. Zusätzlich wurde Boystown erneut eine finanzielle Unterstützung durch den Kirchenvorstand gewährt; und auch die Frauengemeinschaft zeigte sich unserem Projekt durch eine großzügige Spende weiter verbunden.
 
Für alle Zuwendungen danke ich vor allem im Namen der unterstützten Kinder ganz herzlich. Spendenquittungen gehen Ihnen wie üblich über das Pfarrbüro zu.
 
 
Bereits jetzt wirft bereits ein neues Ereignis mit Bezug zu unserem Boystown-Projekt seine Schatten voraus: Pastor Joseph Kallunkamakal aus Kranenburg hat erst kürzlich die Diözese Mananthavady und auch unser St. Hubertus-Waisenheim Boystown in Kerala/Indien besucht. Er wird hierüber dankenswerterweise im
 
 
Gottesdienst am Sonntag, 9. Februar 2003, 9.30 Uhr,
 
 
berichten und möglicherweise auch einen kurzen Videofilm über das Leben der in Boystown untergebrachten und von unserer Pfarre unterstützten Kinder zeigen. Die Messe wird durch unseren Kirchenchor mitgestaltet. Hierzu lade ich Sie recht herzlich ein.
 
 
Da der Besuch der Eheleute Bellenberg in Boystown nunmehr 10 Jahre zurückliegt, ist es unser aller Wunsch, langfristig Informationen über Boystown sozusagen wieder aus erster Hand zu erhalten. Wer dementsprechend in diesem oder dem nächsten Jahr die Möglichkeit hätte, Südindien aufzusuchen und an einem Besuch unseres Waisenheimes interessiert wäre, möge sich zwecks weiterer Abstimmung beim Unterzeichner melden..
 
 
Ihnen allen sage ich abschließend nochmals herzlichen Dank für die auch in diesem Jahr gewährte Unterstützung unseres Projektes. Auf ein Wiedersehen im Rahmen des anstehenden Boystown-Gottesdienstes freue ich mich bereits jetzt
 
 
und verbleibe herzlichst
Ihr Michael Dörr
 
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