2000 - Boystown

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

2000

Chronik
 
„Ich gedenke des Gottes, und so gedenke ich auch dein und aller auf dieser Erde, die sein Teil sind und sein Atem.“ Stefan Zweig. Die Augen des ewigen Bruders. In „Indien-Wunder und Wirklichkeit....“

 
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
 
liebe Freunde von St. Hubertus-Boystown,
 
 
endlich erreicht Sie der sicher schon lang erwartete Bericht über den Verlauf und die Entwicklung unseres Projektes im Jahr 2000. Für dessen verspätete Zustellung – bedingt durch eine besondere berufliche Situation – darf ich mich entschuldigen, und sie gleichzeitig auch im Namen von Bischof Emmanuel, der uns erfreulicherweise im Spätsommer des letzten Jahres wieder aufsuchte, ganz herzlich grüßen. Doch lassen Sie mich chronologisch berichten:
 
 
Mitte April übersandte uns Herr Bischof Emmanuel Pothanamuzy seine herzlichsten Grüße und wünschte uns allen ein gnadenreiches und frohes Osterfest. Gleichzeitig gratulierte er mir zur Wahrnehmung der neuen Aufgaben als Boystown-Beauftragter.
 
 
Im Mai konnte ich mich im Rahmen eines Indien – Seminars in der Thomas-Morus-Akademie in Bergisch-Gladbach mit den vielschichtigen politischen, wirtschaftlichen und religiösen Problemen dieses Landes vertraut machen.
 
 
Zum Pfarrfest am 18.6. hatte ich erstmals Gelegenheit, die Boystown-Aktivitäten mittels eines Info-Pavillons der Gemeinde in Erinnerung zu rufen. Auch wenn die Resonanz noch etwas hinter meinen - vielleicht zu hohen - Erwartungen zurückblieb, bin ich mir sicher, dass die enge Verbindung unserer Pfarre zu Boystown neu wahrgenommen wurde. Die am Boystown-Stand geführten Gespräche erwiesen sich außerdem als sehr informativ.
 
Ein Teil der während des Pfarrfestes präsentierten Ausstellung gelangte anschließend in die Kirche und war dort Interessierten noch rund zwei Monate zugänglich.
 
Inzwischen haben mir Herr Pastor Vorspel und der Pfarrgemeinderat dankenswerterweise bis auf  Weiteres den linken Schaukasten an der Kirche zu Ausstellungs- und Informationszwecken  überlassen. Dort finden Sie nun neben Fotos und Bildern vor allem aktuelle Informationen zu Boystown.
 
 
Ein Schreiben des Direktors des Waisenheimes Boystown vom 16.8. skizzierte den aktuellen Hilfebedarf. So muss der Sanitärbereich des Hauses modernisiert werden (4861.-DM), während sich die generellen Unterhaltungskosten auf 15313.- DM (für die Jahre 2000 und 2001) belaufen. Im Rahmen eines landwirtschaftlichen Projektes soll Boystown ferner über 5 Jahre ermöglicht werden, eigene Produkte wie Tee und  Kaffee anzubauen und konkurrenzfähig anzubieten. Hierfür werden 4861.-DM pro Jahr veranschlagt.
 
 
Höhepunkt des letzten Jahres war sicherlich der Besuch von Bischof  Emmanuel Pothamamuzhy  am 8.9. in unserer Pfarre. Der Termin kam sehr kurzfristig zustande; umso dankbarer bin ich, dass Herr Radke (KV) und Frau Brinckmann (PGR) sich um die finanzielle und organisatorische Unterstützung unseres Treffens kümmerten und Frau und Herr Bellenberg fast die gesamte Organisation der Zusammenkunft übernahmen.
 
In Begleitung von Herrn Pastor Joseph Kallunkamakal aus Kleve traf der hohe Würdenträger aus der Diözese Mananthavady gegen 19.00 Uhr im Hubertusstift ein und hielt sich dort zu einem gemeinsamen Abendessen und Gesprächen bis 22.15 Uhr auf. Über Herrn Pastor Joseph Kallunkamakal berichtete übrigens die Neuss-Grevenbroicher-Zeitung wenige Tage später ausführlich in einem Portrait  (Ausgabe 210 vom 9.9.).
 
Aus terminlichen Gründen bat Bischof Emmanuel, ein in der Gemeinde St. Peter in Hoisten anberaumtes Treffen mit ihm und Vertretern der dortigen Gemeinde die sich ebenfalls in der Vergangenheit für Projekte aus der Diözese Mananthavady eingesetzt hatte, in unsere Zusammenkunft zu integrieren. So haben wir uns sehr gefreut, Herrn Pastor Smal, Frau Holzapfel, Frau Beckmann und Frau Bülow-Höller bei uns begrüßen zu können.
 
Der Unterzeichener eröffnete den Abend und brachte die gemeinsame Freude über den Besuch des Bischofs zum Ausdruck. Dieser erzählte, dass sich neben Boystown im Bistum 25 Kinderheime  in Trägerschaft der Kirche befänden.
 
Das Jahr 2000 sei in wirtschaftlicher Hinsicht extrem schwierig gewesen, da die Preise für Kaffee, Ingwer, Tee, Bananen, Pfeffer gefallen seien – so die Informationen aus den Plantagen des Bistums. Verantwortlich hierfür sei das World Trade Agreement, das gestatte, Waren aus Ländern zu importieren, in denen eine inakzeptable Preisstruktur vorherrsche. Die Preise indischer Exporte stünden daher unter immensem Druck. Zudem würden sie von Unternehmen diktiert, die großen Profit machten.
 
Das Bistum weise viele Siedlungsgebiete auf. Die dortigen Kirchen und Pfarrheime seien inzwischen renovierungs- bzw. restaurierungsbedürftig. Geld erhielten die Priester hierfür von Missio und dem Bischof. In vielen Gemeinden seien große Pfarrsäle für die Sonntagsschule (Katechese) gebaut worden, an der 80 % der Kinder teilnähmen. Während die Erwachsenen um 8.00 Uhr den Gottesdienst besuchten, fände die Sonntagsschule um 10.00 Uhr statt.
 
Das Schulsystem sei stark verbesserungsbedürftig. Im Endeffekt sei die katholische Kirche mit ihren Vorstellungen einer „Primary School“ gescheitert. Obwohl für diese Idee hart gearbeitet wurde, hat der Staat diese Schulform nicht angenommen. Nun gebe es kleine einfache Schulen bis zum 4. Schuljahr. Im 5. Jahr könnten die Kinder eine Abschlussprüfung absolvieren. Diese berechtige jedoch nicht, eine weiterführende Privatschule zu besuchen. So seien viele Kinder darauf angewiesen, frühzeitig in sog. „Job Training Centers“ einen Beruf zu erlernen. Viele schafften dies jedoch nicht und sind quasi arbeitslos. Außerdem wiesen einige Berufe schlechte Verdienstmöglichkeiten auf  (Schneider).
 
Auf die Frage von Herrn Bellenberg, was aus dem seinerzeit geplanten Fonds für die Aussteuer der Mädchen geworden ist, stellte der Bischof fest, dass das Bistum diesbezüglich viel helfe. Gerade in armen oder verschuldeten Familien erhielten die Mädchen keine Mitgift, wodurch eine große soziale Benachteiligung entstehe. Eine Stiftung zur Förderung dieser Mädchen konnte allerdings nicht eingerichtet werden. Hierzu diene jetzt die Kollekte vom Palmsonntag.
 
Zuletzt wurde von mir auf die bisherigen guten Kontakte der Pfarre St. Hubertus zu Boystown eingegangen und Herrn Bischof Emmanuel die Frage gestellt, ob das Kinderheim weitere Unterstützung benötige. Schließlich sei es erweitert und renoviert worden, so dass man in der Gemeinde nicht mehr sicher sei, ob die Förderung fortgeführt werden sollte. Andererseits sei man jedoch mit dem Projekt mehr als 20 Jahre verwurzelt und wolle es auch nicht einfach einstellen. Bischof Emmanuel dankte an dieser Stelle noch einmal für die gewährte Hilfe und betonte, dass Boystown nach wie vor auf eine Fremdfinanzierung angewiesen sei. Er würde sich freuen, wenn sich die Pfarre St. Hubertus entschließen könnte, Boystown weiterhin eine Unterstützung zuteil werden zu lassen.
 
Ich überreichte Herrn Bischof Emmanuel daraufhin einen Scheck über 5000.-DM, für den sich der Geistliche herzlich bedankte. Der Betrag ist zur Finanzierung der Renovierung und Erweiterung von Sanitärbereichen des Waisenheimes gedacht.
 
 
Hoffentlich steht uns beim nächsten Besuch des Bischofs etwas mehr Vorlaufzeit zur Verfügung, sodass auch Sie eine persönliche Einladung erhalten und Gelegenheit bekommen, Bischof Emmanuel kennen zu lernen.
 
 
Am 13.11.00 hatte ich ferner Gelegenheit, den Pfarrgemeinderat über obiges Treffen zu informieren.
 
 
Nun zur finanziellen Situation des Jahres 2000:     
 
             Stand 12/1999:                 26.980,26
 
Einnahmen :                                                                      
 
Einzelspenden                                 10.405,25                                                      Sonstige Einnahmen                          2.500,00         
 
Zinsen                                              1.014,07
 
 
                                                    13.919,32 DM
 
  
 
Ausgaben :
 
Zahlungen nach Indien                        5.000,00                                
 
Ausgaben (Scheckgebühr etc.)                 95,68       
 
 
                                                       5.095,68
 
 
Stand 12/2000                                  35.803,90 DM                                                                                                                                                                                        Bei den Spendern war eine geringfügige Fluktuation zu verzeichnen. Der Gesamtertrag ist leicht rückläufig.
 
Der Pfarrgemeinderat befürwortet meinen Vorschlag, langfristig in die Förderung des landwirtschaftlichen Projektes einzusteigen. Jährlich würden wir dann zunächst ck. 5000.- DM- nach Indien überweisen. Außerdem könnte man Bischof  Emmanuel die gewünschten Unterhaltungskosten in Höhe von 15.000.- DM bei seinem nächsten Besuch zukommen lassen. Bitte geben Sie doch Rückmeldung, wie wir aus Ihrer Sicht verfahren sollen.
 
In jedem Falle kommen die Beträge den Kindern zugute, an deren Stelle ich mich bei Ihnen für Ihr großzügiges Engagement ganz herzlich bedanken möchte.
 
 
In diesem Jahr wird zum Pfarrfest (20.5.) wieder der Boystown-Stand hergerichtet. Über Ihren Besuch am Pavillon würde ich mich sehr freuen. Zum diesjährigen Patrozinium (4.11.), das sich mit dem (mindestens) 20-jährigen Bestehen unserer Initiative deckt, hoffen wir erneut Bischof  Emmanuel bei uns begrüßen zu können.
 
Nach einem Jahr ist es zudem mein persönlicher Wunsch, auch alle Spender einmal persönlich kennen zu lernen. Mir schwebt hierzu ein Treffen in unserem schönen Pastor-Trimborn-Haus vor, zu dem ich gerne Herrn Pfarrer Franz-Josef Assmann aus der Pfarrgemeinde St. Antonius u. St. Vitus Herdringen in der Stadt Arnsberg einladen möchte. Herr Pfarrer Assmann ist auf unsere Boystown-Homepage gestoßen und hat im dortigen Gästebuch einen interessanten Eintrag vorgenommen. Danach hat seine Pfarre seit nunmehr 22 Jahren geschwisterliche Kontakte zur Diözese Mananthavady. 1993 besuchte eine Delegation die Diözese und auch Boystown .
 
 
Mit dieser - wie ich meine doch recht interessanten - Perspektive verabschiede ich mich
 
und verbleibe herzlichst
 
mit freundlichen Grüßen
 

 
Ihr Michael Dörr
 

 
 
PS: Am 12.5.2000 zählte die Bevölkerung Indiens eine Milliarde Menschen.
 
 

 
Suchen
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü